mein Dämon hat Familie – meine Teufelsfamilie

Depression ist oft ein Rudeltier. Ich kenne viele die noch andere Diagnosen dazu hat. So wie ich. Jeder nennt seine Krankheit anders. Schwarzer Hund, Schwarze Wolke, Schwarzer Schatten und und und.
Für mich ist meine Depression ein kleiner Teufel der in meinem Kopf sitzt und seine Knöpfe drückt, mich lenkt.
So gesehen sind es bei mir mehrere kleine Teufelchen. Eine kleine Teufelsfamilie….
Da meine Teufelsfamilie wahrscheinlich nie wirklich aus meinem Kopf ausziehen wird, freunde ich mich mit ihnen an.
Da wäre zum ersten Egon. Er drückt die Depressionsknöpfe. Zur Zeit ist er aber außer Dienst. Er ist frech und freut sich besonders wenn er mich willenlos machen kann und mich einfach nur auslaugt… Er sitzt auch gerne an der Tastatur und schiebt mir Gedanken rein, die ich so gar nicht gebrauchen kann.
Sein Zwillingsbruder ist Erwin. Mein ADS-Teufelchen. Manchmal ein wirklich lustiger Geselle und ich glaube mit ihm kann ich mich besser anfreunden als mit Egon. Er haut mir zwar alles durcheinander, aber mit seinem Chaos kann ich irgendwie leben. Gemein ist wenn er mir ständig mein Hirn löscht. Flupp – mit dem Magneten über die Festplatte – und alles leer… Gemein gemein… Aber deswegen sind es ja Teufelchen – ne?!
Joah und er will auch echt alles mitbekommen… Egal was ich gerade mache – er lenkt meine Aufmerksamkeit auf echt alles… Da beschäftige ich mich mit einer sache – wie dem Schreiben von diesem Text hier – dann fliegt irgendwo am Fenster ein Schatten vorbei – schwupp – Aufmerksam auf etwas anderes gelenkt. Ich will gar nicht erwähnen wie lange dieser Text hier dauert… Danke Egon – so entgeht mir einfach gar nichts. Außer – irgendwie alles… Schließlich bleibt ja kaum etwas in meinem Kopf vorhanden. Da wäre ja auch noch der Magnet an der Festplatte. Das heisst auch – dass ich oft nicht weiß wo ich die Dinge hinlege. Viele Menschen befinden sich auf der suche nach dem Sinn des Lebens…. Ich hingegen – ich suche – so ziemlich alles… Ladekabel vom Laptop… Handy…. Schlüssel…. Fahrkarte… Der Fidget Spinner meiner Tochter den ich heute erst noch in der Hand hatte (zum Glück hat sie es selbst noch nicht gemerkt) – Einfach alles… Man kann das jetzt natürlich auf zwei Arten sehen. Nervig das ständig alles verschwindet und man sein Leben mit Suchen verbringt oder eben… Ich bin einfach nicht wie alle anderen – also bin ich etwas besonderes… ich suche nicht das was alle anderen suchen… Wozu brauche ich auch den Sinn des Lebens wenn ich nicht mal mehr mein Ladekabel vom Laptop finde?! (inzwischen ist es dann doch wieder aufgefunden – sonst könnte ich diesen Text nicht schreiben)
Wenn Erwin nicht gerade mit dem Magneten an meiner Festsplatte spielt – Fabriziert er aus meinen Gedanken und Emotionen Spaghetti. Er schmeisst alles in einen Topf – Rührt einmal ordentlich durch, haut lecker Soße drüber und schmeisst alles wirr auf einen Teller. Hat schon einmal jemand Versucht Spaghetti zu sortieren? Ich zwar noch nicht – Aber was meine Gedanken und Emotionen angeht, ist es verdammt schwierig.
Um meine Familie komplett zu machen, sollte ich noch zwei Mitglieder Vorstellen. Da wäre Egons Ehefrau Ronja und deren Kind Kevin. Ronja spielt gerne an den Panikknöpfen rum und denkt sich immer wieder neues aus für Panikattacken. Ronja und Egon befinden sich allerdings zur Zeit im Liebesurlaub… Wer weiß ob Kevin nicht noch ein Geschwisterchen bekommt wenn sie wieder kommen.
Kevin nimmt alles was er bekommen kann. Den letzten freien Rest an Knöpfen. Gerne hat er die Bunten Selbstwertgefühls- und Vertrauensknöpfe – die Blinken so schön. Er schläft zwar viel – aber hin und wieder überkommt ihn die Langeweile und dann drückt er einfach mal irgendwo drauf.

Eine Depression ist vieles. Ein Schwarzer Hund. Schwarzer Schatten. Schwarze Wolke. Seelenkrebs. Dämon. Teufelsfamilie. Rudeltier. What ever. Eine Depression ist da. Und sie kann immer wieder kommen. Oder auch nicht. Egal ob selbst Betroffen oder Angehöriger. Damit zu leben, sich damit anzufreunden – ist eine gar nicht so verkehrte Taktik.Freunde dich mit deinem Feind an.