Das Gehirn der Computer

Normalerweise schaltet man einen Computer an, arbeitet etwas, spielt, Surft – was auch immer. Wenn man fertig ist, schließt man alle Programme und schaltet den PC wieder aus.

Tut man das nicht, bleiben alle Programme offen und lässt den Computer 24 Stunden am Tag – 7 Tage die Woche laufen und die Programme offen, öffnet noch zusätzlich Programme – dann irgendwann läuft der Computer heiß. Er hängt sich auf. Es kommen Fehlermeldungen.

Mein Gehirn läuft 24 Stunden am Tag – 7 Tage die Woche – 365 Tage im Jahr durchgehend. Es arbeitet ununterbrochen. Runterfahren? Fehlanzeige. Das geht nicht. Aufhören zu denken geht nicht, so sehr ich es auch möchte. Ich kann nicht einfach so abschalten. Jedenfalls nicht auf Knopfdruck. Welche „Programme“ geöffnet sind kann ich nicht steuern. Mein Browser hat die berühmten gefühlten tausend Tabs offen. Einige hängen davon fest.

Wird es meinem „Computer“ also dem Gehirn zuviel kommen die Fehlermeldungen. Arbeitsspeicher ist voll. Ich verliere Daten. Ständig stürzt etwas ab oder hängt sich auf. Man findet nichts mehr wieder. Alles ist durcheinander.

Die Gedanken aber kommen weiter. Und es hört einfach nicht auf. Ich möchte endlich aufhören zu denken. Dabei weiß ich nicht mal wie es ist – einfach mal nicht zu denken.

Steuern kann ich meinen Computer nicht. Ich kann nicht steuern was ich denke und wann ich es denke. Ich kann nicht einfach abschalten.

Was aber bedeutet das überhaupt? Ständig zu Denken. Ständig zu arbeiten? Es ist durchaus anstrengend. Es gibt viele Berufe die hauptsächlich Kopfarbeit verlangen. Ich denke, Menschen in diesen Berufen können verstehen wie anstrengend Kopfarbeit sein kann. Haben diese Menschen Feierabend können sie abschalten. Zu hause wird dem Kopf dann die nötige Ruhe gegeben. Menschen die Körperliche Arbeit verrichten können dem Körper auch nach Feierabend die nötige Ruhe geben. Was würde denn sonst passieren mit dem Körper? Klar – Irgendwann kommt der Muskelkater. Die Schmerzen.

Mit dem Kopf ist es ähnlich. Kann er nicht zur Ruhe finden kann man mit Kopfschmerzen reagieren. Aber auch mit Erschöpfung irgendwann. Ich glaube jeder hat schon einmal davon gehört dass das Gehirn mit einem Muskel zu vergleichen ist. Ständige Signale aus dem Gehirn führen dazu dass man selbst ununterbrochen unter Strom steht. Es wird zu einem Teufelskreis. Nun fangen auch die Muskeln an sich immer wieder anzuspannen. Innerlich steigt eine Unruhe auf die noch weniger zu kontrollieren ist. Hat schon mal jemand versucht mit Unruhe entspannt und erholsam zu schlafen? Richtig – unmöglich. Und somit geht das ganze Tag und Nacht und die Leistung nimmt selbstverständlich immer weiter ab. Ist es so schon schwer sich zu Konzentrieren – so wird es unter diesen Umständen natürlich noch schwerer.

Das sind meist die problematischen Phasen. Denn hier werde ich noch viel Chaotischer. Ich schiebe besonders gerne Dinge auf. Was aber durchaus mit Grund geschieht. Denn ich glaube es ist besser die besonders wichtigen Dinge mit einem weitaus klareren Kopf abzuarbeiten.

Außerdem werde ich viel viel Schusseliger. Ich Stoße mich alle Nase lang. Mir fällt einfach viel mehr runter. Ich vergesse unglaublich viel und mir passieren auch viel mehr Fehler.

Aber dennoch weiß ich genau: Es ist eine Phase. Irgendwann beruhigt sich das Gehirn auch wieder und ich habe wieder mehr Kraft für meinen Alltag. Und dann läuft es auch besser. Besonders freue ich mich auf das Ende der Phase – denn hier lande ich oft im Hyperfokus und kann einfach nur Kreativ sein. Dafür nehme ich mir gerne mal ein Tag oder mehrere Tage nur für meine Kreative Schöpfung. Das ist zumindest ein Hauch von Entspannung für mich. Und vor allem Erholung vor einer wieder einmal sehr anstrengenden Phase.

Ich glaube, nein ich bin mir ziemlich sicher, das ist schwer zu verstehen. Es ist schwer sich da hinein zu versetzten. Mal ernsthaft – ich kann mich ja auch nicht in jemanden ohne AD(H)S hineinversetzten. Ich weiß auch nicht wie es ist normal zu sein. Ich kann nur versuchen es mir vorzustellen. Ich frage mich: Wenn ich es kann mir die Normalität vorzustellen, warum können es andere – „Normalos“ nicht auch wenigstens mal versuchen?

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