Die Erschöpfungsphase

Auch das gehört dazu:

Auch ein immer wieder auftretender Begleiter meiner Störung ist die Erschöpfung. Eine Phase die niemand gerne durch macht. Man muss sich immer wieder klar machen, es ist nur eine Phase und vergeht wieder. Steigert man sich zu sehr da hinein kann man schnell in eine Depression fallen. Sich immer wieder klar zu machen, dass es nur eine Phase ist, kostet allerdings ebenfalls wieder viel Kraft. Daher schafft man in dieser Phase kaum etwas und das Chaos ist perfekt.

Aber fangen wir von vorne an:

So ein üblicher Tagesablauf sieht folgendermaßen aus: Man versorgt das Kind und sich selbst. Kümmert sich um Wäsche, Haushalt, Einkauf. Hier und da ein wenig Papierkram. Viele gehen dazu noch Vollzeit Arbeiten. Das sollte eigentlich kein Problem sein oder? Hat ja im Grunde jeder Mensch.

Ist aber bereits die Belastungsgrenze von Grund auf schon niedrig gehalten. Kämpfst du dazu noch gegen das tägliche Gedanken- und Emotionschaos an. Versuchst dich in diesem Chaos und den ganzen Ablenkungen noch krampfhaft noch auf etwas zu konzentrieren – ja dann ist die Anstrengung perfekt und mit der Zeit die Erschöpfung vorprogrammiert.

Es ist schwer zu erklären wie groß die Anstrengung ist in diesem Kampf. Stellt euch einmal folgendes vor:

Ihr hattet einen schweren Unfall. Verliert temporär das Gefühl in beiden Beinen. Und nach einer langwierigen Behandlung müsst ihr alles neu erlernen. Bewegung der Beine. Stehen, laufen. Könnt ihr euch vorstellen wie Anstrengend das sein kann? Laufen ist etwas, das für viele Menschen das normalste auf der Welt ist. Es geht quasi Automatisch. Genauso ist es mit dem Denken. Es gibt aber Menschen, für die sind solche Sachen so anstrengend wie ein Marathonlauf.

Steckt man erst einmal in dieser Phase kommt noch hinzu der tägliche Kampf mit sich selbst. Seinen eigenen Vorurteilen. Dann kommt die innere Unruhe.

Auf der einen Seite willst du dich einfach nur ausruhen. Nicht viel tun. Nur das nötigste. Du weißt das brauchst du jetzt. Du brauchst dich dafür nicht schämen. Es ist so. Es gehört einfach dazu. Aber dein Körper – deine Unruhe – verlangt nach Bewegung. Etwas zu tun. Dann siehst du das Chaos um dich rum und fühlst dich noch unwohler. Und dann kommen sie. Diese Gedanken. „wie kann man nur so faul sein?“ „Das ist doch so normal. Das kann doch gar nicht so viel Anstrengung kosten.“ „Andere schaffen es doch auch.“ und dann kämpfst du dagegen an. „Ja toll für die anderen. Aber die haben wahrscheinlich keine Probleme damit. Die haben keine Störung im Gehirn und für die ist es ein leichtes.“

Und dann kommen sie. Die Kritiker. Du kämpfst selbst schon so sehr mit dir selbst und deinen Selbstverurteilungen. Und dann kommen die Kritiker die meinen dass ich mich nur mal zusammen reißen muss. Dass ich Faul bin. Dass ich einfach mal den Arsch hoch bekommen muss. Das darf doch nicht so aussehen zu hause. Am Ende bin ich dann auch noch diejenige die „Assi“ ist. Faul und Unfähig einen eigenen Haushalt zu führen und ein Kind zu erziehen. What? Also ich glaube mein Kind ist wirklich gut geraten. Sie ist toll und sehr selbstständig. Sie ist gut in der Schule. Gut in ihrem Sport. Höflich und immer Hilfsbereit. Und ihr wollt mir sagen ich bin unfähig? Nur weil ich eine Erschöpfungsphase habe? Ich habe eine Störung im Gehirn und bin ich Faul. Ich muss damit leben. Niemand kann wissen wie es ist, wenn er es selbst nicht miterlebt.

Also behaltet eure Vorurteile bei euch. Lasst mich damit in Ruhe. Ich muss mich erholen. Ihr wollt doch auch akzeptiert werden wie ihr seid. Dann akzeptiert mich auch so wie ich bin!

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