Gedankenspaghetti

Viele haben es bestimmt schon einmal gehört. Ein Gedankenpalast. Eine gute Hilfe um verlorene Erinnerungen wieder einzuholen. Man wandert gedanklich durch seinen Palast und findet in jedem Raum seine Gedanken. Das klingt sehr geordnet. Aufgeräumt. Eher so Kategorie „Schöner Wohnen“

Hat ein Mensch einen Gedanken dann stört ihn auch kaum ein anderer. Man kann seinen Gedanken zu ende denken und kann sie gut ordnen.

Bei Emotionen ist es das gleiche. Auch diese sind im Normalfall im Palast geordnet. Hat man eine kann man sie klar definieren und es stört keine andere dabei.

Leider haben diese Ordnung nicht alle Menschen. Bei Menschen mit AD(H)S ist das anders. Wir haben keinen Palast. Wir haben einen großen Raum. Und dort fliegt alles durcheinander. Emotionen. Gedanken. Alles durcheinander. Eher so Kategorie „Wimmelbild“

Habt ihr mal einen Teller Spaghetti betrachtet? Die liegen ja auch nicht alle geordnet nebeneinander auf dem Teller. Alles durcheinander. Und bis mal eine Spaghetti da raus gefischt ist kommen einem noch tausend andere entgegen.

Wir können unsere Gedanken und Emotionen nur schwer sortieren und uns schwer an einem Gedanken festhalten. Ständig fliegen andere umher und geraten in den Vordergrund.

Es ist sehr anstrengend und kostet eine menge Kraft um das ganze halbwegs im Griff zu haben.

Ich verstehe dass viele das nicht erkennen und verstehen können. Wie auch? Unser Wimmelbild ist ja nicht aus Glas. Niemand kann es sehen. Das einzige was nach außen hin sichtbar ist, das sind die Stimmungsschwankungen, wenn die Emotionsspaghetti uns wieder einmal entgegen fliegen. Dazu die vielen Gedanken. Die fliegen im Kopf umher, immer wieder etwas anderes. Nichts kann man klar definieren. Man kann es nicht kontrollieren. Da versucht man in einer Ecke unter größter Anstrengung aufzuräumen, da fliegen in der nächsten die nächsten umher. Ist man an der nächsten Ecke dran, fliegen sie wieder in die aufgeräumte Ecke.

Das ist wie während dem Essen Zähne zu putzen oder die Wohnung aufzuräumen wenn Kinder zu hause sind.

Wie soll man sich dabei dann wirklich auf eine Aufgabe konzentrieren?

Für Betroffene ist es verständlich, dass es außenstehende nicht nachvollziehen können. Das verlangt auch keiner. Es kann schließlich keiner in uns hinein sehen.

Den einzigen Wunsch den wir haben ist – dass uns geglaubt wird. Wenn wir sagen dass es uns leid tut dass wir momentan wieder so schwierig sind. Dass es nur an dem inneren Chaos liegt und wir das nicht mit Absicht machen. Glaubt uns das. Respektiert uns und lasst uns nicht fallen. Habt Geduld mit uns. Denn irgendwann geht das auch vorbei. Wir haben auch Phasen wo es geordneter zugeht in uns. Habt Nachsicht und helft uns wo wir Hilfe brauchen.

Es tut uns leid dass ihr darunter leidet. Aber seid gewiss: auch wir leiden darunter. Wir hätten es auch lieber anders und aufgeräumter.

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