meine Familie, der Dämon und ich

Oh je, wie fange ich das hier jetzt an? Ich mache das hier zum ersten mal. Und ich weiß auch noch gar nicht so genau ob ich jetzt alles öffentlich halte oder doch wieder ändere. Dieser erste jedoch, den werde ich einmal zur Probe öffentlich lassen denke ich. So kann ich einmal die Reaktionen darauf erleben.

Ich versuche mich hier noch zurecht zu finden. Alle Einstellungen und Möglichkeiten zu erforschen. Ich bitte aber schon einmal um Entschuldigung wenn es noch nicht perfekt ist. Mein Schreibstil wird sicher auch eher amateurhaft sein. Ich möchte hier aber auch keine Professionelle Geschichte schreiben, sondern einfach nur meine Gefühle und Gedanken loswerden. Auch kann ich nicht versprechen, dass ich täglich schreibe. Manchmal können Tage, Wochen oder im schlimmsten Fall Monate vergehen. Aber ich gebe immer mein Bestes.

So – wie fange ich am Besten an? Am Besten erstmal bei mir selbst. Ich bin 31 Jahre alt – in einigen Tagen 32. Ich leide seid Jahren an Depressionen. Dies ist auch der Grund weshalb ich dieses Tagebuch schreibe. Ich habe eine kleine Tochter von 4,5 Jahren. Wir zwei leben zusammen in einer tollen Wohnung mit meinem Lebensgefährten. Unser Bester und Liebster Papa. Wir sind eine kleine Familie. Sicher haben wir es nicht immer leicht gehabt, aber wir meistern alles und halten fest zusammen.
Ende des Jahres 2012 hat uns mein damaliger Mann verlassen. Meine Tochter und ich zogen aus und gingen zurück in meine Heimat Berlin. Meine Familie hat uns in dieser Zeit sehr unterstützt. Wir bauten uns ein neues Leben auf und ich stellte mich zum ersten mal meiner Krankheit. Ich machte eine Gesprächstherapie. Ende 2013 stieß dann unser Papa zu uns. Die Maus hat ihn toll angenommen und liebt ihn über alles. Ich lernte mit meiner Krankheit umzugehen und es ging mir gut in diesem Jahr. Es war alles wieder gut und ich fand sogar eine Arbeitsstelle.
Der Marathon zwischen Vollzeitarbeit, Tochter und Haushalt wurde mir jedoch zum Verhängnis. Ich war leider nicht ganz so stabil wie ich dachte und mit allem völlig überfordert. Dazu kamen Finanzielle sorgen und Schwierigkeiten. Dennoch hielt mein Schatz immer zu mir und wir meisterten jedes Tief. Ich verlor meine Arbeit, wir die Wohnung. Hatten einen haufen Schulden.
Dennoch gaben wir nicht auf. Ich rutschte zwar immer weiter in die neue Depression, aber wir kämpften. Wir fanden eine neue Wohnung und zogen um.
Nun sind wir hier. Ich mit meiner Depression, die Schulden sind noch immer da, aber es geht langsam Bergauf. Die kleine hat einen Kitaplatz und wir haben uns eingelebt.

Soweit unsere Vorgeschichte.

Komme ich einmal zu meiner Krankheit – und ja – Depression ist eine Krankheit.
Leider ist Depression noch immer in der Gesellschaft ein Tabuthema. Es wird belächelt und einfach nicht ernst genommen. Aber Depressionen sind ein sehr ernstes Thema. Depression ist nicht einfach nur Traurigkeit. Dazu gehört noch sehr vieles mehr. Es ist als ob man die Kontrolle über seinen eigenen Körper verliert. Es beinhaltet zu der Traurigkeit und unkontrolliertem Weinen auch unter anderem Schlafstörungen, Extreme Antriebslosigkeit (um das ganze Bildlich darzustellen – Der Körper fühlt sich an als wäre er aus Blei – Schwer sehr schwer und man kann sich kaum Bewegen – obwohl man im Kopf weiß man muss jetzt), Konzentrationsstörungen, Angststörungen und natürlich die wahrscheinlich bekannten Pessimistischen Gedanken die man nicht Kontrollieren kann. Manchmal sind es auch einfach so viele Gedanken dass sie einen fast in den Wahnsinn treiben. Viele haben Tinitus, so wie ich auch.
Soweit erst einmal ein kleiner Überblick. Aber auch extreme Hochphasen gehören dazu. In diesen könnte man glauben man hätte alle Kraft der Welt – ist unbesiegbar – Zerspringt förmlich vor Glück. Was durchaus auch belastend sein kann. Denn eigentlich wünscht man sich nur ein ganz normales Leben. Ein Leben ohne Extreme. Wie sich dies alles (und sicher noch einiges mehr – was ich jetzt vergessen habe) auf das Alltagsleben auswirkt und wie man es meistert oder eben auch nicht, was eine Depression für Körperliche auswirkungen haben kann – das wird in Einträgen beschrieben.

Nun möchte ich noch meine persönlichen Ängste loswerden, denn ich denke das hilft ein wenig zu verstehen, warum ich manche, alltägliche Dinge, einfach nicht kann und Hilfe benötige. Besonders große Angst habe ich davor mit Fremden Menschen zu sprechen. Egal ob Persönlich oder am Telefon. Telefonieren ist sehr schwer für mich. Ich fange an zu Zittern, werde fast Panisch. Es ist ein großer Kraftaufwand mich zu überwinden. Meine Angst vor Gesprächen (telefonisch oder Persönlich) geht soweit dass ich manchmal einfach nicht richtig Argumentieren kann. Ich rede mich quasi um Kopf und Kragen und drücke mich schlecht aus – so dass ich falsch verstanden werde. Dazu kommt meine extreme Schüchternheit. Außerdem fühle ich mich mehr als unwohl in unbekannten Situationen und großen Menschenaufläufen. An belebten Plätzen. Wenn meine Angstzustände groß sind ist es für mich ein großer Kraftaufwand und eine große Überwindung auch nur mit dem Zug zu fahren. Allerdings gibt es manchmal Momente, da kann ich Mutig sein. Da ist meine Depression nicht so groß und ich habe auch keine Angst. Und dann kann ich ganz normale Dinge tun. In solchen Momenten bin ich oft sehr Stolz auf mich. Denn in Anbetracht meiner schlimmeren Zeiten ist dies ein großer Schritt für mich. Und irgendwann, das weiß ich genau, habe ich alles überwunden. Das tägliche Busfahren in die Kita und zurück ist größtenteils okay. Ich weiß ich muss es machen, ich komme nicht darum. Daher stehe ich es durch. Aber auch hier habe ich manchmal Momente in denen ich mich unwohl fühle. Aber ich versuche mich zusammen zu reißen. Für meine kleine Maus.

Für sie kämpfe ich – täglich – stündlich – gegen meine Krankheit – meinen ganz persönlichen  Dämon in mir! Ich lasse mich nicht besiegen von ihm!

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