Warum ist Routine so wichtig?

Im Leben eines ADHSlers hat das Chaos die Oberhand. Es ist ein Chaos das einfach nicht in den Griff zu bekommen ist.

Um trotzdem in dem ganzen Chaos etwas Ordnung zu haben brauchen ADHSler eine feste Routine. Für uns ist eine feste Routine unser halt. Unsere Sicherheit.

Ich habe mir einen festen Tagesablauf aufgebaut. Diesen habe ich verinnerlicht. Ich brauche ihn. Wir haben feste Zeiten für Essen. Es steht fest wann was gemacht wird. Klar definierte Abläufe zu teilweise festen Zeiten.

Für Schultage und Wochenende habe ich einen gut Strukturierten Tagesablauf erarbeitet mit dem ich mich wohl fühle. Ich weiß was auf mich zu kommt. Es ist Sicherheit pur. Wohlbefinden pur.

Es hält mein Chaos in Grenzen.

Für Außenstehende ist dieses Verhalten befremdlich. Dieses krampfhafte „an Zeiten halten“. Dass ständig ein Wecker klingelt weil wieder eine feste Zeit angekommen ist nervt viele. Andere finden es lustig. Für mich aber ist es so wichtig wie der Fahrradhelm für einen Radfahrer.

Auch schwierig für Außenstehende zu verstehen ist, dass man sich an scheinbar Kleinigkeiten festhält. Man scheint extrem unflexibel. Verbohrt. Ja irgendwie Verrückt.

Was soll ich dazu sagen? Ja – wir kommen uns auch manchmal so vor. Hätten wir es gerne anders? Na klar. Aber jetzt mal ehrlich? Hat nicht jeder gerne ein wenig Sicherheit in seinem Leben? Für uns ist es eben die Routine. Ihr müsst bedenken – unsere Welt sieht anders aus. In unserer Welt herrscht das Chaos. Unsere Impulsivität ist unberechenbar. Wir wissen oft selbst nicht was wir als nächstes tun. Und in so einer anstrengenden und Chaotischen Welt… Was glaubt ihr, wie erholsam es ist wenn wir wissen – jetzt kommt wieder eine Feste Zeit. Das ist gut geplant. Es ist fest und sicher.

Was aber wenn diese Routine wegfällt? Was ist wenn der gut Strukturierte Tagesplan durchkreuzt wird? So zum Beispiel immer in den Ferien?

Es fällt ganz viel Sicherheit weg. Ich gerate völlig aus der Bahn.

Und das nur weil in der Zeit mein Kind nicht in der Schule ist. Für viele ist das nur eine Kleinigkeit. Klar – man hat doch auch noch andere Routinen die man einhalten kann. Das muss sich doch ausgleichen? Das kann doch nicht so schwer sein. Dann muss man sich eben mal zusammen reißen.

Ja… Nee…. Nicht wirklich. Bei uns setzten sich Routinen so fest, dass nur eine kleine Änderung alles aus der Bahn werfen kann. Ich meine, wenn ihr Fahrrad fahrt dann sichert ihr euch doch auch völlig ab. Fällt da eine Sicherung weg, wie zum Beispiel nachts das Licht – fahrt ihr dann trotzdem? Schließlich habt ihr ja noch genug Sicherheitsmaßnahmen.

Wie ich schon sagte, gerate ich bei einer Veränderung meiner Routine total aus der Bahn. Alle anderen Routinepunkte sind völlig durcheinander. Ich kann nicht mehr klar denken und komme nur schwer in die Gänge. Es ist viel schwerer mich zu konzentrieren und alles halbwegs zu überstehen. Der Überblick verfliegt total. Irgendwann habe ich auch kein Zeitgefühl mehr. Die Tage verfliegen nur so vor sich hin ohne dass ich es so richtig Wahrnehme. Manchmal weiß ich nicht mehr richtig was gerade für ein Tag ist.

Und dann die Emotionale Verfassung. Achterbahn ist nichts dagegen. Ich habe die Emotionale Stabilität einer Seifenblase. Muss mich aber halbwegs in Zaum halten. Wie soll das bitte gehen?

Am Ende bin ich nur noch froh wenn die Ferien zuende sind und ich meinen normalen Ablauf wieder habe. Es dauert dann noch so 1-2 Wochen bis ich wieder halbwegs meine ganz eigene Normalität zurück habe.

Veränderungen der Routine sind immer eine riesen Herausforderung.

Bitte denkt beim nächsten Mal erst einmal genauer nach, bevor ihr einem ADHSler die Routine nehmt und ob es für euch wirklich so schlimm wäre, wenn ihr dann doch lieber der Routine folgt. Bitte denkt einfach mal daran für wen es schlimmer ist. Der ADHSler ohne Routine oder ihr mit Routine?

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